Das Hinterrad wackelt, große Panik, Radlager defekt? Das kann sein.



Oft sind es aber „nur“ die Schwingenlager oder die Nadellager des Endantriebs zu dessen schwingenseitiger Lagerung. Und diese können fast genau so oft nachgestellt werden.

Der Aufbau
ImageQuer durch die hohle Schwinge (bl) führt, rechtwinklig zu ihrer Längsachse, eine Gewindebohrung. In diese werden Lagerzapfen mit einem Bund eingeschraubt (or). Dieser Bund drückt jeweils ein Kegelnadellager gegen einen Absatz einer durchgehenden Bohrung im Hals des Hinterachsgehäuses.
Damit sein Bund rundum satt anliegt und um etwaige Flucht und Kippfehler ausgleichen zu können ist der Zapfen im Durchmesser geringfügig kleiner als die Bohrung des Kegellagers.
Die äußeren (rechten) Lagerzapfen sind als Festlager ausgeführt, d.h. die seitliche Position des HAG im Bezug auf die Fahrzeuglängsachse ist festgelegt. Mit den inneren (linken) Zapfen wird das Lager eingestellt

Image BMW gibt für die Schrauben Folgendes an:

Das Endanzugsmoment bei den Verschraubungen mit Loctite 2701 ist unverzüglich aufzubringen. Loctite- Aushärtezeit mindestens 3 Stunden.
Anziehdrehmoment:
Festlagerzapfen; (Gewinde reinigen + Loctite 2701)........ 160 Nm
Loslagerzapfen; (Gewinde reinigen + Loctite 2701). ........... 7 Nm
Kontermutter ........................................................................ 160 Nm
Federbein an Schwinge; (Gewinde reinigen + Loctite 243).. 58 Nm
Federbein an Hinterrahmen............................................ 50 Nm

Zum Ausbauen
müssen die Verschraubungen mit einem Heissluftfön erhitzt werden. Es genügt nicht sie 1 Minute lauwarm "anzublasen". Die Dinger müssen so heiss sein, dass sich die (dann verbrannte) Haut vom prüfenden Finger abziehen lässt! Also sollte man sich auf eine Anwärmzeit von 10 Minuten einrichten (ganz Schnelle machen es mit dem Schweissbrenner, erweichen dabei das Material der Verschraubung und verbrennen die Lackierung).
Es funktioniert auch mit einer langen Verlängerung und viel Gewalt. Wenn die Verschraubung wirklich fettfrei war als das Loctite aufgebracht wurde, gibt zuweilen das ganze Gewinde in der Schwinge nach und hängt dann an der Schraube. Also besser wirklich ordentlich ANWÄRMEN.

Gewinde reinigen sollte ohnehin klar sein, schreibt sich aber deutlich leichter als es zu machen ist. Das alte LOCTITE muss weg! Vom Gewinde des Lagerzapfens lässt es sich mit viel Drahtbürsteneinsatz entfernen, die Innengewinde schneide ich kurzerhand nach. Nachdem die Wenigsten einen Gewindebohrer für derartig grosse Feingewinde haben bietet sich Azeton als eines der wenigen Lösungsmittel für Loctite, oder eine Gewindefeile (hat auch kaum jemand) an.

Einstellen
Wer nun glaubt die Einstellung sei mit dem „Anziehen“ der Lagerzapfen mit „vorgeschriebenen Drehmoment“ erledigt, der irrt oder glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.
Dies ist das Drehmoment mit dem das Pressluftwerkzeug in der Fertigung den Lagerzapfen „erst mal“ einschraubt! Anschließend kann der Monteur das Lager einstellen und braucht sich nicht damit aufzuhalten um den Lagerzapfen in das Gewinde „reinzuleiern“.
Es wäre wesentlich zu ungenau mit einem derart laschen Drehmoment den ganzen Kram „in Position“ zu ziehen wobei bereits geringe Rückstände von Loctite den Wert um 100% verfälschen können.

Hintere Lager
Zum Einstellen löst man sinnvoller Weise die Paraleverstrebe vom HAG (Schraube raus, Strebe nach unten drücken).
Das Rad hat man vorher bereits abgebaut sonst wäre der Loslagerzapfen kaum zugänglich.
Zuerst wird das Lager festgezogen, d.h. der Zapfen immer weiter eingedreht und dabei das komplette HAG auf- und ab bewegt und waagrecht gewackelt. Die Schwinge wird dabei vom Federbein in Position gehalten.
Irgendwann merkt man, dass das Auf- und Ab schwerer geht und dabei auch ganz leicht ruckelt oder rastet. Beim "Wackeln" merkt man, dass das vorher spürbare Spiel immer weniger wird und dann verschwindet. Jetzt den Loslagerzapfen wieder etwas lockern bis das Ruckeln gerade nicht mehr und das Spiel noch nicht zu spüren ist.
Sinnvoller Weise hat man inzwischen die Kontermutter schon „angelegt“ und braucht jetzt nur noch zu kontern. Dabei den Zapfen mit dem Innensechskantschlüssel in Position halten.

Ruckelt es deutlich, dann haben es die Lager hinter sich und sollten erneuert werden. Nachdem sich die Lager nicht drehen sondern eigentlich nur minimal schwenken, belasten die Nadeln die Lauffläche an immer der gleichen Stelle und graben sich ein. Nach spätestens 60TKm ist es soweit.

Vordere Lager
Der Vorgang ist der gleiche wie hinten, nur muss zum Einstellen das Federbein zumindest unten gelöst werden (Schraube raus und die Klemmhülse ein Stück zurückdrücken).

Hinweis:
Auch Einstellprofis gelingt die exakte Einstellung nicht unbedingt gleich beim ersten Versuch!

(Preise 08/2014; alle ca.):
Schwingenlager HAG; 10x32x17; EtNr. 3317 2311091; ca. 50 EUR
Schwingenlager Getriebe; 17X40X13,25; EtNr. 3317 2311729;ca. 25 EUR

1100
Gewinde Einstellseite M27 x 1,5
Lagerzapfen li; EtNr. 3317 2311074; 22 EUR

Gewinde Festseite
Lagerzapfen re; HAG EtNr.3317 2310890; 35 EUR
Lagerzapfen re; Getriebe EtNr. 3317 2312563; 28 EUR

1150
Gewinde Einstellseite M24 x 1,25
Lagerzapfen li; EtNr. 3317 2335110; 22 EUR 

Gewinde Festseite
Lagerzapfen re; EtNr.3317 2335118 ; 24 EUR

 

 

Links:

4V-Hag-distanzieren
4V HAG einstellen
4V-Schwingenlager-einstellen