Kurzversion:
Auffangbehälter drunter, 

Einfüllschraube auf, Ablassschraube auf. In dieser Reihenfolge! Bekommt man die Einfüllschraube nicht auf nützt es nichts das Öl abzulassen.

Betrachtet man das HAG-Gehäuse im Schnitt, so relativieren sich die Begriffe Unterkante Einfüllgewinde(loch) / Einfüllöffnung. Ich fülle so weit auf, dass ich die Schraube noch vernünftig eindrehen kann.
Grün markiert sind Öltaschen, gelb der Raum der grossteils durch das Tellerrad ausgefüllt wird und rot die mögliche Überfüllung. Ist etwas zu viel drin, und steht der Pegel deshalb im „roten Bereich“, dann stecke ich einen möglichst knapp passenden Dorn (mein kleiner Finger passt!) in die Öffnung und verdränge dadurch etwas Flüssigkeit. Die läuft dann über und der Pegel sinkt wenn man den Dorn wieder herauszieht.
Ob die Überfüllung des kräftiger roten Bereichs oder auch der gesamte rote Bereich wirklich relevant ist, mag jeder selbst beurteilen.

Hinweis: bei den R1200 ist die Füllmenge entscheidend u.A. deshalb weil sie keine Entlüftung haben und der freie Bauraum konstruktiv "etwas knapp" gewählt wurde.
 

Für alle R11x0:
Die Füllmenge sollte man nicht so eng sehen. Da schreiben die Konstrukteure offenbar bereits seit „1864" voneinander ab. Die 0,25 Liter sind ein Richtwert. "Bis Unterkante Einfüllöffnung", dem korrekten Ölstand, passen auch schon mal 0,3 Liter rein.
Gefüllt wird bis Unterkante Einfüllloch.
Nachdem die Gehäuse gegossen sind, bestehen bereits hierbei kleine Differenzen. Die tatsächliche Menge hängt davon ab welche Zahnradpaarung eingebaut wurde (unterschiedlich, z.B. 1100GS 33/11, 1150GS 31/11). Bei der 1100 sind also schon mal 2 Zähne mehr unterzubringen. Dann kommt's (theoretisch) noch auf die Lage an ("ausdistanzieren"). Durch die unterschiedlichen Distanzscheiben wird auch der Rauminhalt geringfügig verändert. Das restliche Innenleben variiert -je nach Maschinentyp- geringfügig (unterschiedliche Zahnradsätze, etc.)

Anziehdrehmoment:
Ölablaß-/einfüllschraube 23 Nm

Schrauben/Dichtringe
Beide Schrauben M14x1,5 (Serie: Innensechskant; 33111451349)
Beide Dichtringe A14x18 Al;  07 11 9 963 200


R1200xx
Die Angabe zur Füllmenge war zu Beginn beim Wechsel 220 ml (Erstfüllung 250 ml), wurde dann aber auf 180 ml reduziert..
Einfüllschraube M12x1,5x12; 20 Nm;
Dichtring A12x16Cu (weshalb Cu und nicht Al versteht wohl nur BMW)
Ablasschraube M12x1,0x12; 20 Nm
Dichtring O-Ring 11,2x1,8
 
R1200LC
Einfüllschraube M12x1,5x12; 20 Nm
Dichtring A12x16Cu (weshalb Cu und nicht Al versteht wohl nur BMW)
Ablasschraube M12x1,0x12; 20 Nm
Dichtring O-Ring 11,2x1,8
 
Das Öl
Anders als beim Motor bin ich der Auffassung, dass man seinen Getrieben mit Öl etwas Gutes tun kann. Beim sehr hoch belasteten Hinterachsgetriebe wechsle ich jährlich oder spätestens nach 20Tkm.
Als Minimalanforderung für die HAG bis incl. der R1150 ist "Marken-Hypoid-Getriebeöl,  SAE 90 GL 5" angegeben, ab den R1200 "Castrol SAF-XO". Wenn es bis  incl. der R1150 Einbereichsöl sein soll, sind die Werte GL5 UND SAE90 wichtig, ein GL5; SAE80 ist zu dünn!
Die Markenbindung"Castrol SAF-XO" ist natürlich Quatsch. In den technischen Spezifikationen von BMW steht dann auch recht schlicht: 75W-90; API GL 5; Freigaben u.A. ZF TE-ML 05B, 12B, 17B, 19C
ZITAT(Castrol): Castrol SAF-XO (75W-90) ist ein vollsynthetischer Getriebeschmierstoff für schwere und leichte Nutzfahrzeuge. Die Leistungsreserven von Castrol SAF-XO übertreffen die API Klasse GL-5 und erlauben eine deutliche Verlängerung der bestehenden Ölwechselintervalle (entsprechend Herstellervorschriften) ZITATENDE.

Das Gleiche behauptet LIQUIMOLY von seinem "Truck 75 W-90" (; API GL 4 ; API GL 5 ; API MT-1 ; MAN 341 Typ E3 ; MAN 3343 Typ S ; MIL-L PRF 2105 E; Freigaben: MB 235.8 ; Scania STO 1:0 ; ZF TE-ML 02B/ 05B/ 12B/ 16F/ 17B/ 19C/ 21B).
Das vollsynthetische LM Hypoid-Getriebeöl (GL5)LS SAE 75 W-140 empfiehlt BMW für Hinterachsgetriebe der M-Reihen. Es übertrifft die Eigenschaften des Castrol SAF-XO.
ZITAT(LM): Für höchstbelastete Achsantriebe mit und ohne Sperrdifferential – insbesondere für Fahrzeuge, in denen vom Aggregat bzw. Fahrzeughersteller ein Öl mit Limited Slip-Zusätzen (LS) vorgeschrieben wird. Im Motorsport bestens geeignet. Die Vorschriften der Fahrzeug- bzw. Aggregathersteller sind zu beachten. LIQUI MOLY empfiehlt dieses Produkt speziell für BMW-Achsantriebe. ZITATENDE

Generell
Das HAG ist, betrachtet aus Sicht der Schmierung, ist das härtest belastete Teil an der Q! Das Öl kann dort dick sein (kalt) oder sehr dünnflüssig. Wenn es im heissen Zustand nicht mehr genügend Viskosität/Schmierkraft hat, steigt der Verschleiss blitzartig gen unendlich. Das Tellerrad arbeitet übrigens wie ein Schaufelradbagger. Zu etwa 1/3 "steht es" im Öl. Um, nach einer Fahrpause Öl an's Kegelrad zu bringen braucht es ca. eine halbe Umdrehung. In dieser Zeit muss der verbliebene Ölfilm reichen.
Je weniger Öl darin ist, desto höher ist dessen Belastung. Nachdem die Füllmenge eher "bescheiden" ist, wird das HAG sehr warm (empfindliche Finger halten die Gehäusetemperatur nicht aus), bei schlechter Distanzierung auch richtig heiss. In ihm werden einige Prozent der Antriebsenergie durch Reibung in Wärme umgewandelt. Daher sollte nach meiner Auffassung beim Wechselintervall nicht gespart werden.



Links
4V Ölwechsel am Schaltgetriebe R11x0
4V Ölwechsel am Hinterachsgetriebe