Der Beitrag beruht auf Erfahrungen von

Wolfgang Schuppenies der die Diagnosemöglichkeiten der Motronic MA 2.2 (also derjenigen der R1100er) verblüffend einfach beschreibt.
Ergänzt und getestet wurden diese Ideen für die 2.2 von Holger Wiemann
Diverse „Tester“ berichteten, dass auch die Motronic MA 2.4 (diejenigen der R1150er Motoren) so ausgelesen werden kann.
Ab der Einführung des ABS III (I-ABS; betrifft auch die MOTRONIK) liegen keine Informationen vor.

Allgemeines zum Anschluss
Die Ausgabe von Informationen erfolgt durch Signale langsamer Frequenz. Diese können mit geeigneten Hilfsmitteln problemlos visuell ausgewertet werden.
Die Diagnoseanschlüsse sind als Reizleitungen ausgelegt und aktivieren durch Schluss auf Batterie-Minus (Masse) eine Diagnose- bzw. Reset-Funktion in der Steuerelektronik. 

 

Bei den R1100xx steckt der 3-polige Diagnosestecker zumeist in einer blauen Schutzkappe nahe dem Deckel der Zentralelektrik und ist somit leicht zu finden:
Interessant für die Motronik ist PIN 1.

Bei den R1150xx sind die Leitungen für Diagnose, Spannungsversorgung und Masse ein einem Stecker zusammengefasst. Dieser ist auf dem Luftfilterdeckel festgeklemmt.
Interessant für die Motronik sind PIN 1, 4, und 6.

Die Steckerbelegung ist gezeigt in „4V Diagnosestecker R1100xx“ bzw. „…R1150xx“ (Links)
Geeignete Messmittel sind beschrieben in „Messmittel zur Fehlerspeicherbearbeitung“ (Link)

 
Achtung: ABS III (I-ABS)
Bei der Motronik 2.4 mit ABS III (I-ABS) sieht die Belegung des Diagnosesteckers fast identisch aus (PIN 2 fehlt).
Ob die Logik dieselbe ist bzw. das Mess-/ Testverfahren auch bei ABS II taugt ist nicht sicher, wenngleich naheliegend. Allerdings ist dort nur ein gemeinsamer Diagnose-PIN für Motronik UND ABS vorhanden.
Der fehlerhafte Umgang mit den elektrischen Leitungen des Diagnosesteckers kann sowohl die Motor-Management-Steuereinheit wie auch die ABS-Elektronik zerstören.

 

Zum Auftakt:

Mit ungeeigneten Brücken oder Messgeräten lassen sich Fehler nicht auslesen aber Steuergeräte in den Elektronikhimmel befördern

Motronic
Blinksignale der Motronic

fehco_g01
 

Als Informationsausgabe gibt die Motronic Signale aus die mit der LED als Blinken sichtbar werden. Sie bestehen aus einer Einleitungssequenz (vielleicht zur Synchronisation mit dem Diagnosegerät?) und einem 4-stelligen Zahlencode. Eine '3' z.B. wird durch 3-maliges kurzes Aufleuchten dargestellt. In Bild ist als Beispiel der Fehlercode '1215' dargestellt. Er signalisiert ein Problem mit dem Drosselklappengeber:

Die Signalfolge wird solange wiederholt, bis die Zündung wieder abgestellt wird.
Die '0' hat eine gesonderte Signalform: Sie wird durch ein langes Leuchten (wie der erste Teil der Einleitungssequenz) repräsentiert.

Fehlercodes Bosch Motronic MA 2.2 & 2.4




fehco_s01

Motronic-Fehlerspeicher auslesen
Zündung aus!
Verkabelung wie oben anschließen!
Motor starten!
Taster für ca. 5 Sekunden betätigen (Pin 1 Reizleitung auf Masse)!
Fehlercode auslesen ('4444' heißt kein Fehler im Speicher)!
Zündung aus!




fehco_s02

Motronic Fehlerspeicher löschen
Zündung aus!
Verkabelung wie oben anschließen!
Drucktaster GEDRÜCKT halten!
Zündung ein!
Drucktaster noch weitere 5 Sekunden gedrückt halten, dann erst loslassen!
Motronic antwortet mit '0000'
Erneut Taster für 5 Sekunden gedrückt halten (danach keine Ausgabe mehr)!
Zündung aus!
Fehlerspeicher erneut auslesen, da die Motronic nur über einen Speicherplatz verfügt und bei mehreren Problemen nur das zuerst auftretende gespeichert wird!


fehco_s03
 

Drosselklappengeber Positionierung bei Motronic 2.2
Der Drosselklappensensor sollte etwa Raumtemperatur (20…25°C) haben!
Zündung aus!
Verkabelung wie oben anschließen!
Zündung ein!
Wenn in Leerlaufstellung die LED LEUCHTET und bei minimaler Gasbetätigung verlischt: Alles ok!
Zündung aus! Fertig!
Ansonsten: Die zwei Befestigungsschrauben des Drosselklappengebers lösen!
ACHTUNG: Lösen der Versiegelung bedeutet Garantieverlust!
Durch sehr langsames Verdrehen des Drosselklappengebers nach li/re Sensor so positionieren, dass Leuchtmittel leuchtet!

fehco_b05

 

Befestigungsschrauben mit 6 Nm anziehen und darauf achten, dass dabei Leuchtmittel weiterhin leuchtet!
Zündung aus!
Motronic Fehlerspeicher auslesen, evtl. löschen!
Evtl. Synchronisation kontrollieren!
Konzeptbedingt MUSS der Drosselklappengeber der Motronic MA 2.2 bei Ruhestellung eine fest definierte Spannung geben; selbst das Ziehen der Sicherung 5 (Motronic) für 2-3 Minuten und anschließendes Wiedereinsetzen führt nicht zu einer Adaption der aktuellen Spannung des Sensors!
Folgender Test:
Geldstück oder Unterlegscheibe zwischen linkem Drosselklappenanschlag und Anschlagschraube einklemmen, Sicherung ziehen-warten-wiedereinsetzen, Zündung kurzzeitig einschalten und danach DK-Sensor wie oben überprüfen: Die nun zu weit offen stehende Drosselklappe wird sofort als Fehlstellung angezeigt!

Achtung: Drosselklappengeber Positionierung bei Motronik 2.4
Diese Möglichkeit entfällt bei den R1150xx. Die Grundeinstellung des Drosselklappengebers erfolgt auf andere Weise. Die Motronik 2.4 ist teilweise selbstadaptierend. Die oft - auch für die Motronik 2.4 - beschriebene „Zero-Methode“(von Lentini) oder irgendwelche mV-Angaben sind zumindest für die 2.4 absoluter Unfug!
Von BMW gibt es den Hinweis:
>>>Abklemmen der Batterie löscht alle Einträge (z. B. Fehler, Einstellungen) im Speicher des Motronic-Steuergerätes. Der Verlust der Einstellungen kann kurzzeitig zu Beeinträchtigungen des Motorlaufes bei der Wiederinbetriebnahme führen.
Nach einem Abklemmen des Steuergerätes:
Zündung einschalten. Gasdrehgriff bei stehendem Motor ein- bis zweimal ganz öffnen, damit die Motronic die Drosselklappenstellungen erfassen kann. <<<

 

Autoren:
Schuppi: die Ursprungsidee
Holger: der ursprüngliche Beitrag
gerd: das Update auf 2.4 und die Bilder

Links
4V1 Diagnosestecker R1100 xx
4V0 Diagnosestecker R1150 xx
4Vn Diagnosestecker R1200 xx
4V Motronic MA2.2 / 2.4 Fehlerspeicher
4V1 ABS II Fehlerspeicher rücksetzen
4V1 ABS II Fehlerspeicher auslesen
Messmittel zur Fehlerspeicheranalyse